Gesellschaft
Ich will ALLES !
Jeder hat Ansprüche. Das war schon immer so. Es scheint mir aber, dass die Ansprüche einiger
in den vergangenen paar Jahren erheblich gestiegen sind. Die Bereitschaft vieler Menschen dagegen, auch
selbst etwas für die Realisierung zu tun, scheint mir bei manchem quasi nicht mehr vorhanden zu sein.
So mag zu erklären sein, warum immer mehr Menschen Dinge auf Pump kaufen und in der Folge
jährlich mehr Haushalte heillos überschuldet sind.
Ob in dem übersteigerten Anspruchsdenken auch ein Grund zu sehen ist, dass wir zwar immer mehr,
immer billigere Lebensmittel haben wollen, im Gegenzug aber nur sehr beschränkt bereit sind,
darüber nachzudenken, wie ein das funktionieren kann, vermag ich nicht zu beurteilen.
Dass aber -immer dann,
wenn mal wieder eine "Skandal" ans Licht gekommen ist- sofort die Verantwortung auf
den Staat, die Politik oder irgend jemand anderen geschoben wird, erscheint mir für das gesellschaftliche
Bewußtsein vieler Menschen symptomatisch.
Es beschleicht mich in letzter Zeit zunehmend das Gefühl, dass ein immer größer werdender
Anteil unserer Bevölkerung nicht mehr fähig zu sein scheint, Verantwortung für ihr Tun zu
übernehmen. Man empfindet sich als Individuum mit einer Vielzahl von vermeintlich zustehenden Rechten.
Geht dann etwas schief, wird sofort ein Schuldiger gesucht -oft mit kräftiger Unterstützung
des Boulevard: DIE Konzerne, DIE Bauern, DER Staat, oder, oder, oder. Der Satz: "Oh, da habe ich
einen Fehler gemacht!" kommt niemandem über die Lippen -und oft scheint dieser Satz nicht einmal
im Bewußtsein desjenigen aufzutauchen.
Ich befürchte, dieser Anspruchshaltung verursacht auch einige Probleme der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung:
Wenn man anderen die volle Verantwortung für das eigene Leben, das eigene Umfeld und den eigenen Staat
überträgt, wird sich zukünftig kaum noch jemand da sein, der selbst Verantwortung übernimmt,
ehrenamtlich im Sportverein, als Gemeindevertreter oder beispielsweise als Feuerwehrmann.
Und damit wird die langfristige und nachhaltige Entwicklung von Konzepten immer schwieriger werden.
Wen mag es noch
interessieren, wie sich z. B. ein Gemeinwesen z. B. in zwanzig Jahren für die dann lebenden Menschen
darstellt, wenn es einem immer größer werdenden Anteil nur noch darauf ankommt, die aktuellen,
jetzt vorhandenen Wünsche erfülllt zu bekommen - Koste es (langfristig), was es wolle.
Ich meine, man sollte darüber zumindest nachdenken -und diskutieren.
Januar 2011