Politik
Ein "Ruck"
... soll durch die Republik gehen, verlangte unser ehemaliger Bundespräsident vor
einiger Zeit. Und es ging ein Ruck, jede Persönlichkeit und jede
Zweckgemeinschaft raffte sich auf und ließ verlauten:
"Wir müssen was ändern, wir müssen sparen,
wir müssen den Gürtel enger schnallen!"
Wer aber war mit "wir" gemeint? -
Immer die anderen!
Ja, es liegt in der menschlichen Natur, lieber den anderen, als sich selbst etwas zu zumuten.
Was mich jedoch traurig -und fast wütend- macht, ist die Tatsache, dass all die hohen Damen und Herren
gerne auf die Pflichten anderer verweisen, aber oft nur die "kleinen" Leute bereit sind, ihr
Scherflein beizutragen: In einer Umfrage äußerten Sozialhilfeempfänger Verständnis für
die Kürzung ihrer Beihilfe! Denken Sie in diesem Zusammenhang nur mal an die vergangenen
Diäten-Diskussionen!
Viele unserer Probleme sind seit langen Jahren bekannt. Weil jedoch alle -Politiker,
Verbandsfunktionäre und Gewerkschaftsvertreter- sich mehr um ihre Wiederwahl als
um die "Nachhaltigkeit" der Entwicklung sorgten, stehen
wir heute vor solch einem "bug".
Aber sind wir ehrlich: Welcher Bürger würde
eine Partei wählen, die ihm "etwas wegnehmen" will? Egal, welche
Argumente gebracht werden, auch das wahlberechtigte Volk denkt an sich selbst zuerst.
Ich denke, dass man die Probleme der Arbeitslosigkeit, der
Lohnnebenkosten und der Renten- und Krankenkasse-Beiträge lösen kann,
wenn man seinen Blick nur ein wenig in die Vergangenheit schweifen lässt.
Vor ca. 1½ Jahrhunderten erfand ein kluger Mensch die Dampfmaschine, viele
der bisher handwerklich auf dem flachen Land erstellten Produkte konnten nun
schneller, besser (?) und in größerer Stückzahl in den Städten
hergestellt werden. In der Folge kam es nicht nur zur Landflucht,
sondern auch zur Verkürzung der Arbeitszeit.
Wenn wir nun heute die Regelarbeitszeit von jetzt acht auf dann sechs Stunden
täglich reduzieren -MIT VOLLEM Lohnausgleich- würden mehr Menschen in
Lohn und Brot gelangen. Selbstverständlich wäre zuerst eine harte Zeit
zu überstehen, denn 20% Lohneinbuße müssen erst einmal
verkraftet werden. Das sollte aber uns Deutschen mit unserem unbestreitbar
sehr hohen Lebensstandard nicht wirklich schwer fallen - wenn man das ganze
solidarisch angeht!
Dadurch, dass mehr Menschen Geld verdienen, wären die Probleme der Renten-
und Krankenversicherungen entspannt (leider noch nicht gelöst), die
Lohnnebenkosten würden sich anfangs ggf. marginal
erhöhen, später -dank eingesparter Sozialkosten und höherer
Binnennachfrage- wahrscheinlich sogar sinken.
Ich meine, man sollte darüber zumindest nachdenken -und diskutieren.
März 2004