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Standpunkte: Michael Koehn


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Ein "Ruck"

... soll durch die Republik gehen, verlangte unser ehemaliger Bundespräsident vor einiger Zeit. Und es ging ein Ruck, jede Persönlichkeit und jede Zweckgemeinschaft raffte sich auf und ließ verlauten: "Wir müssen was ändern, wir müssen sparen, wir müssen den Gürtel enger schnallen!"

Wer aber war mit "wir" gemeint? - Immer die anderen!

Ja, es liegt in der menschlichen Natur, lieber den anderen, als sich selbst etwas zu zumuten. Was mich jedoch traurig -und fast wütend- macht, ist die Tatsache, dass all die hohen Damen und Herren gerne auf die Pflichten anderer verweisen, aber oft nur die "kleinen" Leute bereit sind, ihr Scherflein beizutragen: In einer Umfrage äußerten Sozialhilfeempfänger Verständnis für die Kürzung ihrer Beihilfe! Denken Sie in diesem Zusammenhang nur mal an die vergangenen Diäten-Diskussionen!

Viele unserer Probleme sind seit langen Jahren bekannt. Weil jedoch alle -Politiker, Verbandsfunktionäre und Gewerkschaftsvertreter- sich mehr um ihre Wiederwahl als um die "Nachhaltigkeit" der Entwicklung sorgten, stehen wir heute vor solch einem "bug".

Aber sind wir ehrlich: Welcher Bürger würde eine Partei wählen, die ihm "etwas wegnehmen" will? Egal, welche Argumente gebracht werden, auch das wahlberechtigte Volk denkt an sich selbst zuerst.

Ich denke, dass man die Probleme der Arbeitslosigkeit, der Lohnnebenkosten und der Renten- und Krankenkassen-Beiträge lösen kann, wenn man seinen Blick nur ein wenig in die Vergangenheit schweifen lässt.

Vor ca. 1½ Jahrhunderten erfand ein kluger Mensch die Dampfmaschine, viele der bisher handwerklich auf dem flachen Land erstellten Produkte konnten nun schneller, besser (?) und in größerer Stückzahl in den Städten hergestellt werden. In der Folge kam es nicht nur zur Landflucht, sondern auch zur Verkürzung der Arbeitszeit.

Wenn wir nun heute die Regelarbeitszeit von jetzt acht auf dann sechs Stunden täglich reduzieren -MIT VOLLEM Lohnausgleich- würden mehr Menschen in Lohn und Brot gelangen. Selbstverständlich wäre zuerst eine harte Zeit zu überstehen, denn 20% Lohneinbuße müssen erst einmal verkraftet werden. Das sollte aber uns Deutschen mit unserem unbestreitbar sehr hohen Lebensstandard nicht wirklich schwer fallen - wenn man das Ganze solidarisch angeht!

Dadurch, dass mehr Menschen Geld verdienen, wären die Probleme der Renten- und Krankenversicherungen entspannt (leider noch nicht gelöst), die Lohnnebenkosten würden sich anfangs ggf. marginal erhöhen, später -dank eingesparter Sozialkosten und höherer Binnennachfrage- wahrscheinlich sogar sinken.

Ich meine, man sollte darüber zumindest nachdenken -und diskutieren.

März 2004