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28.04.2019
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BUNT | HELL  DUNKEL

Gesellschaft

Ich will ALLES !

Jeder hat Ansprüche. Das war schon immer so. Es scheint mir aber, dass die Ansprüche einiger in den vergangenen paar Jahren erheblich gestiegen sind. Die Bereitschaft vieler Menschen dagegen, auch selbst etwas für die Realisierung zu tun, scheint mir bei manchem quasi nicht mehr vorhanden zu sein. So mag zu erklären sein, warum immer mehr Menschen Dinge auf Pump kaufen und in der Folge jährlich mehr Haushalte heillos überschuldet sind.

Ob in dem übersteigerten Anspruchsdenken auch ein Grund zu sehen ist, dass wir zwar immer mehr, immer billigere Lebensmittel haben wollen, im Gegenzug aber nur sehr beschränkt bereit sind, darüber nachzudenken, wie das funktionieren kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Dass aber -immer dann, wenn mal wieder ein "Skandal" ans Licht gekommen ist- sofort die Verantwortung auf den Staat, die Politik oder irgend jemand anderen geschoben wird, erscheint mir für das gesellschaftliche Bewußtsein vieler Menschen symptomatisch.

Es beschleicht mich in letzter Zeit zunehmend das Gefühl, dass ein immer größer werdender Anteil unserer Bevölkerung nicht mehr fähig zu sein scheint, Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Man empfindet sich als Individuum mit einer Vielzahl von vermeintlich zustehenden Rechten. Geht dann etwas schief, wird sofort ein Schuldiger gesucht -oft mit kräftiger Unterstützung des Boulevard: DIE Konzerne, DIE Bauern, DER Staat, oder, oder, oder. Der Satz: "Oh, da habe ich einen Fehler gemacht!" kommt niemandem über die Lippen -und oft scheint dieser Satz nicht einmal im Bewußtsein desjenigen aufzutauchen.

Ich befürchte, diese Anspruchshaltung verursacht auch einige Probleme der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung: Wenn man anderen die volle Verantwortung für das eigene Leben, das eigene Umfeld und den eigenen Staat überträgt, wird sich zukünftig kaum noch jemand finden, der selbst Verantwortung übernimmt, ehrenamtlich im Sportverein, als Gemeindevertreter oder beispielsweise als Feuerwehrmann.

Und damit wird die langfristige und nachhaltige Entwicklung von Konzepten immer schwieriger werden. Wen mag es noch interessieren, wie sich z. B. ein Gemeinwesen z. B. in zwanzig Jahren für die dann lebenden Menschen darstellt, wenn es einem immer größer werdenden Anteil nur noch darauf ankommt, die aktuellen, jetzt vorhandenen Wünsche erfülllt zu bekommen - Koste es (langfristig), was es wolle.

Ich meine, man sollte darüber zumindest nachdenken -und diskutieren.

Januar 2011